Foto: Sabrina Adeline Nagel, www.siesah.de

(c) Rowohlt Verlag

Aufgewachsen bin ich in Niedersachsen zwischen Fachwerkhäusern und Pferdeweiden, heute lebe ich mit meiner Familie in Hamburg. Nach dem Studium habe ich als Lektorin und Übersetzerin für verschiedene Buchverlage gearbeitet und so schließlich selbst zum Schreiben gefunden. Mein erster Roman, Kirschsommer, ist 2013 bei Rowohlt erschienen, der zweite, Apfelrosenzeit, anderthalb Jahre später. Mein neuer Roman heißt Unter einem Dach und ist ab 22. Juli 2016 in allen Buchhandlungen sowie im Online-Buchhandel zu bekommen.



Interview 

vom Blog Mein Buch, meine Welt (Frühjahr 2015)


Sie haben gerade Ihren zweiten Roman veröffentlicht. Wollten Sie schon als Kind Bücher schreiben? Oder hatten Sie einen anderen Berufswunsch?
Ich habe zwar irgendwann in der Grundschule angefangen, die ersten Geschichten zu schreiben, aber das meiste davon ist unvollendet geblieben. Mein Berufswunsch war lange Innenarchitektin, Häuser und ihre Einrichtung haben mich schon als Kind fasziniert. In der Oberstufe war mir dann bald klar, dass ich Literaturwissenschaft studieren und in einem Verlag arbeiten will, was dann wunderbarerweise auch geklappt hat.

Hätten Sie jemals gedacht, dass Schreiben mehr als nur ein Hobby werden könnte?
Tatsächlich habe ich das Schreiben nie als Hobby betrachtet. Vielleicht liegt das daran, dass ich so lange im Lektorat gearbeitet habe und es gewohnt war, mit Texten professionell umzugehen. Hinzu kommt, dass ich ja relativ spät angefangen habe zu schreiben, mit Ende dreißig, und dass ich zu diesem Zeitpunkt alleinerziehend war. Ich konnte das also nur machen, wenn ich auch Geld damit verdiene. Aber ich habe daneben auch weiterhin als freie Lektorin und Übersetzerin gearbeitet und mache das bis heute.

 

Worum geht es in Ihrem neuen Roman?
In Apfelrosenzeit geht es um vier ehemalige Mitbewohnerinnen, die nach vielen Jahren wieder zusammenfinden. Die Fünfte im Bunde, Isa, ist gestorben, und ihr Haus muss leergeräumt werden. Das übernehmen die vier Freundinnen und kommen sich dabei wieder näher. Allerdings erzählen sie sich nicht alles, jede hat so ihre Geheimnisse ...

Sind manche der Figuren in Ihren Büchern an Personen angelehnt, die Sie kennen?
Ausgangspunkt ist schon manchmal jemand, den ich kenne, aber da geht es meist eher um eine Lebenssituation als um den Charakter. Und häufig entwickeln die Figuren im Laufe der Planung und des Schreibens ein Eigenleben, so dass sie am Ende nicht mehr viel mit diesem Menschen gemein haben. Mir fällt in den beiden Büchern keine einzige Figur ein, mit der ich wirklich jemanden porträtiert hätte.

Haben Sie schon Ideen für zukünftige Projekte?
Ja, ich hab ein paar Ideen, auf deren Umsetzung ich mich sehr freue. Es wird eine Weile dauern, bis das alles aufgeschrieben ist. Am konkretesten ist die Idee für meinen dritten Roman, an dem ich gerade begonnen habe zu arbeiten. Es werden drei Frauen im Mittelpunkt stehen, die mehr miteinander zu tun bekommen, als ihnen lieb ist – mehr kann ich leider noch nicht verraten.

Wie hat sich Ihr Leben verändert seit der Veröffentlichung Ihres ersten Buches, Kirschsommer?
Es ist spannender geworden. Ich habe ja auch vorher schon frei gearbeitet, aber als Lektorin und Übersetzerin war in jeder Hinsicht alles sehr plan- und vorhersehbar. Jetzt weiß ich nie, was der Tag bringt – Rezensionen, Anfragen, neue Ideen, ein Anruf aus Hollywood (kleiner Scherz). Das gefällt mir gerade sehr gut.

Von welchem Autor sind Sie selber großer Fan?
Ich bewundere am meisten die, denen es gelingt, auf hohem sprachlichen Niveau richtig gute, spannende Geschichten zu erzählen. Donna Tartt, Patrick Süskind, Julian Barnes - da wären noch einige zu nennen. Und ganz besonders gern lese ich ein paar englische und amerikanische Schriftstellerinnen, allen voran Mary Ann Shaffer (von der es leider nur ein Buch gibt).

Welches Buch sollte, Ihrer Meinung nach, jeder gelesen haben?
Bei dem Wort „sollte“ sehe ich ja sofort den pädagogischen Zeigefinger vor mir, den ich im Zusammenhang mit Büchern gar nicht mag. Ich würde lieber einfach eine Empfehlung abgeben. Und da bleibe ich gleich bei Mary Ann Shaffer, Deine Juliet, einem meiner absoluten Lieblingsbücher. Eine unheimlich schöne Geschichte über die mäßig erfolgreiche Schriftstellerin Juliet und eine Gruppe buchbegeisterter, liebenswürdiger Menschen,  die in den Vierzigerjahren in London und auf der englischen Kanalinsel Guernsey spielt. Toll!

Wenn Apfelrosenzeit verfilmt werden würde, welche Besetzung würden Sie sich für die Hauptrolle wünschen?
Für Sanne, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben steht und ihre eigenen Interessen etwas aus den Augen verloren hat, habe ich gar keine bestimmte Schauspielerin vor Augen – sie müsste sommersprossig sein und Lachfalten um die Augen haben und eher klein und rundlich sein. Aber Micha, den sehe ich sehr genau vor mir, und das war auch von Anfang an so. Der sieht nämlich haargenau so aus wie Ronald Zehrfeld. Und Mona, die groß und stolz ist und immer einen trockenen Spruch auf Lager hat, würde Nina Kunzendorf sicher toll darstellen können.

Wie kamen Sie auf die Idee für das Buch?
Auslöser war ein Telefonat mit einer Freundin, die fürchtete, wegen des Berufs ihres Mannes auf dem Land zu landen, wo sie nicht hinwollte, zumal ihre Ehe nicht mehr war, was sie mal gewesen ist - eine Situation, die so oder ähnlich ja viele erleben, wenn die Kinder größer werden. Daraus wurde Sanne. Und nach und nach kamen dann die ehemaligen Mitbewohnerinnen mit ihren sehr unterschiedlichen Geschichten dazu und vor allem das Ereignis, das sie alle zusammen bzw. auseinander bringt ...